Gemeente Friedrichstadt
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Ostern 2013 - - Was Gott ergänzen kann



Was Gott ergänzen kann

 

Mit Weihnachten überraschten meine Kinder mich mit einem CD worauf 25 Gedichte von Friedrich Hölderlin wunderschön gelesen werden von einem jungen Jazz-Sänger Christian Reiner. Es sind Gedichte aus der letzte Schaffensperiode Hölderlins, wenn er schon lange Zeit (wie es heißt) “umnachtet” war: die Turmgedichte. Aber auch diese Gedichte sind sehr beeindruckend. Eins davon ist seinem Hausherr und Betreuer Zimmer gewidmet und lautet so:

                      Die Linien des Lebens sind verschieden,

                      Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen.

                      Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen

                      Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.

Ganz kurz könnte man sagen dass es hier geht um Verschiedenheit und Harmonie. Die Verschiedenheit von Menschen wird hier nicht in unsere verschiedene Charaktere begründet, sondern in den verschiedenen “Linien des Lebens”. Für diese Verschiedenheit werden zwei Bilder benutzt, von Wegen und von Bergen. Kein Weg gleicht einem anderen Weg, kein Berg einem anderen Berg. Vom Berge wird noch etwas dazu gesagt: “der Berge Grenzen”. Die Gipfel die man sieht, stellen eine Grenze dar, jeder Berg auf seine Weise. Wir erkennen die Berge an ihrer eigenen Gipfel, wissen aber auch dass sie die Grenzen andeuten unserer Möglichkeiten; oder eben die Grenzen des Lebens. Nicht nur das Leben von Menschen ist verschieden, sondern auch der Tod: wir alle sterben auf eine andere Weise; wir stoßen auf eine andere Weise auf die Grenzen des Lebens.

                      So weit im Gedicht, könnte man sagen, geht es um Fakten; um eine einfach konstatierbare Verschiedenheit von Menschen. In ihrem Leben und in ihrem Tod. Aber oft können wir uns im Leben nicht einfach damit abfinden dass es solche Verschiedenheiten gibt. Wir verlangen nach einer Harmonie die es im Leben manchmal nicht gibt. Sowohl in unsere persönliche Verhältnisse wie in den Gemeinschaften die wichtig für uns sind. Dieses Verlangen ist mit Schmerz verbunden, aber auch mit Hoffnung. Auch in dem Sinne dass wir diese Harmonie hoffen erleben zu können. Wenn wir diese nicht durch unseren eigenen Kräften bewirken können, dann dürfen wir hoffen dass diese uns auf irgendeine Weise gegeben wird. Im Leben selbst oder nach dem Tod.

                      Im Gedicht wird ein Unterschied gemacht zwischen hier und dort. Das ‘hier’ könnte sich auf dem Leben beziehen, das ‘dort’ auf dem Leben nach dem Tod. Unsere als schmerzhaft erfahrene Verschiedenheit im Leben könnte, nach dem Tod, von Gott “ergänzt” werden mit Harmonie und Frieden. Gott könnte uns dann geben was wir im Leben entbehren; ergänzen was wir im Leben am meisten vermissen.

                      Vielleicht wird so auch oft die Auferstehung verstanden die wir mit Ostern feiern. Wie es Jesus passiert sein könnte, nach seinem schrecklichen Tod wieder von Gott auferweckt und mit neuen Leben bekleidet. Damit er die tragende Grund unseres Glaubens sein kann, und der Hoffnung worin wir leben. Dass auch an uns ergänzt wird was wir schmerzhaft vermissen. Es könnte aber auch sein dass eine solche Ergänzung schon im Leben selber gehofft und gegeben wird. Über den Grenzen der Berge hinaus, das heißt: über dasjenige hinaus das wir selber machen und denken können. Dass uns eine Harmonie gegeben wird die wir sosehr suchen. Dass uns im Leben selber ergänzt wird was wir jetzt sosehr vermissen. Dass uns einen Frieden gewährt wird den die Welt sosehr braucht. Vieleicht kann Ostern uns eine Idee davon geben. Als eine neue Hoffnung auf Leben.                                                                                                                                                                                                                                                         Severien Bouman



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